Eigenleistungen beim Hausbau

Dies sollten Sie zum Thema Eigenleistung unbedingt wissen

Bauinteressenten wird sehr gern der Hausbau mit Eigenleistungen empfohlen. Da die Zahl im Bauvertrag natürlich weitaus schöner wirkt, als der Preis für ein schlüsselfertiges Haus, sind Ausbauhäuser gerade in schlechten Zeiten der Verkaufsschlager. Allerdings birgt der Hausbau mit Eigenleistungen auch Gefahren.

 

Deshalb sollte jeder, der beim Bauen Eigenleistungen erbringen will, sich die folgenden Fragen ehrlich beantworten:

  • Bin ich selbst oder die Bauhelfer für die erforderlichen handwerklichen Tätigkeiten qualifiziert?
  • Habe ich genügend Verwandte, Freunde, Bekannte, die auch zum richtigen Zeitpunkt abkömmlich sind?
  • Sind die Kosten für Baustoffe, Haustechnik und dergleichen angemessen kalkuliert?

 

Die Gefahr der Überschätzung der Kostenersparnis beim Hausbau mit Eigenleistungen

Während die Kostenersparnis für die Eigenleistung häufig überschätzt wird, verhält es sich beim Einschätzen des Aufwands für die Eigenleistungen genau umgekehrt. Diese Problematik wird mit entsprechenden Werbeaussagen natürlich auch forciert.
Wer "nur" 10.000 Euro Baukosten reduzieren will, muss ca. 1200-1400 Arbeitsstunden aufbringen. Weil bei Eigenleistungen die Lohnnebenkosten sowie die Risiko- und Gewinnmarge des Bauunternehmers oder Handwerkers entfallen, kann man etwa 7-8 Euro als Arbeitsstundensatz ansetzen. Wenn wir davon ausgehen, dass der Bauherr zwei Bauhelfer hat, so teilen sich diese Drei die Arbeitsstunden. Ausgehend von 1.200 Stunden entfallen auf jeden Bauhelfer 400 Arbeitsstunden in der Freizeit. Nicht berücksichtigt wurde hier, dass Eigenleistungen die Bauzeit bis zum Dreifachen der Normzeiten überschreiten können.

 

Die Gefahr der Selbstüberschätzung beim Hausbau mit Eigenleistungen

Der Hausbau als Ausbauhaus bringt nur dann eine Kostenersparnis, wenn Bauhelfer und Bauherren gute handwerkliche Fähigkeiten, Erfahrung und die notwendige Ausdauer haben. Schließlich arbeiten Sie und Ihre Mitstreiter in Ihrer Freizeit, die im Regelfall sowieso schon eng bemessen ist. Gewerke wie Putzarbeiten, Heizungsinstallation, Elektroinstallation und Sanitärinstallation sind Gewerke, die Fachleute in der Regel weitaus professioneller ausführen können als Laien. Befinden sich in Ihrem Bekanntenkreis keine Fachleute, so ist der Zeitgewinn durch Vergabe an Handwerker wertvoller, als die vermeintliche Ersparnis durch Eigenleistung.

 

Der Wert Ihrer Eigenleistung

Wichtig ist, dass der Wert der Eigenleistung richtig angesetzt wird. Werden Eigenleistungen mit 40.000 Euro angesetzt, darf nicht übersehen werden, dass die notwendigen Baumaterialien in diese Summe enthalten sein müssen. Würde man dies in der Finanzierung nicht berücksichtigen, wäre die Folge eine Finanzierungslücke von 20.000 Euro. Wichtig ist also, Eigenleistungen realistisch zu berechnen und dabei die Materialkosten nicht in die Eigenleistungen einzurechnen.

 

Was beim Bauen mit Eigenleistungen noch wichtig ist

Unabdingbar ist, dass der Bauherr seine Helfer bei der örtlichen Bauberufsgenossenschaft beitragspflichtig versichert. Der Versicherungsschutz kann durch zusätzliche Bauhelferversicherung verbessert werden, denn die Bauberufsgenossenschaft leistet nicht besonders umfangreich, dafür aber recht günstig. Für die Versicherungspflicht und damit verbundene Meldepflicht ist es irrelevant, ob die Helfer unentgeltlich oder gegen Bezahlung mitarbeiten. Verstöße gegen die Melde- und Nachweispflichten können nicht nur mit Bußgeld geahndet werden, es drohen auch Ansprüche der Berufsgenossenschaft, wenn es zu einem Schadensfall beim Hausbau kommt. Bauherr/in sind von Pflichtversicherung ausgenommen, können (sollten) sich aber freiwillig versichern.

 

Lesen Sie bitte auch die ausführlichen Hinweise zu diesem Thema auf www.zbo.de/eigenleistungen.html!